ALYXON entwickelt KI-gestützte Dokumenten- und Prozessmanagement-Software für kleine und mittlere Unternehmen, im Einsatz unter anderem im Werkzeughandel, in der Forstwirtschaft und in der technischen Instandhaltung. Im Interview spricht Alexander Lipovics, CEO & Co-Founder, darüber, warum die Trennung zwischen CRM, ERP und Warenwirtschaft verschwindet, warum Datenhoheit gerade das spannendste Thema der Branche ist, und was Unternehmen falsch machen, wenn sie ihre Kommunikation automatisieren, bevor die Prozesse dahinter stimmen.
Die wichtigsten Take-aways
- Datenhoheit ist der große Hebel:
- KI-Einsatz und der Verzicht auf US-Cloud-Anbieter galten lange als unvereinbar, das löst sich gerade auf und verändert viel für europäische Unternehmen.
- CRM, ERP und Warenwirtschaft verschmelzen:
- Die Trennung ist historisch gewachsen, nicht fachlich begründet, künftig zählt eine gemeinsame Datenbasis mehr als einzelne Funktionen.
- Der größte Fehler:
- Unternehmen automatisieren ihre Kommunikation, bevor die Prozesse dahinter funktionieren, Automatisierung macht bestehende Schwächen sichtbarer, nicht kleiner.
- Der größte Aha-Moment:
- Das eigentliche Wissen eines Unternehmens steckt nicht in Prozessdokumenten, sondern in den Köpfen der Leute, die den Betrieb jeden Tag am Laufen halten.
- Praxis-Tipp:
- Einen Prozess vollständig lösen statt zehn halb zu digitalisieren, und dafür die Person im Haus einbinden, die den Prozess wirklich kennt.
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Über ALYXON
ALYXON GmbH ist ein österreichisches Softwareunternehmen mit Sitz in Neudörfl, das KI-gestützte Dokumenten- und Prozessmanagement-Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Im Zentrum steht der Gedanke, dass eine Datei nicht der Prozess ist, Dokumente werden bei ALYXON direkt mit ihrem geschäftlichen Kontext verknüpft, Kunde, Auftrag oder Workflow, inklusive Verantwortlichkeit, Status und nächsten Schritten.
Warum unterstützt ihr den Customer Relationship Summit als Sponsor?
Weil dort die Leute zusammenkommen, die dieselbe Frage haben wie wir: Was macht KI in Systemen, die täglich im Einsatz sind, tatsächlich besser? Darüber wird gerade viel geredet und wenig gezeigt. Wir setzen unsere Systeme quer über mehrere Branchen ein, vom Werkzeughandel über die Forstwirtschaft bis zur technischen Instandhaltung, und sehen dabei sehr genau, welche Ansätze im laufenden Betrieb tragen und welche nur in der Präsentation funktionieren. Diese Erfahrung wollen wir am 8. Oktober weitergeben und im Gegenzug mitnehmen, woran andere gerade arbeiten.
Worauf können sich die Teilnehmer:innen an eurem Stand freuen?
Auf ein laufendes System statt auf Folien. Wir zeigen live, wie ein Angebot durch die gesamte Kette bis zur fertigen Buchhaltung läuft, und was passiert, wenn die KI dabei mitdenkt. Wer eine konkrete Anforderung aus dem eigenen Haus mitbringt, kann sie uns direkt vorlegen, und wir gehen gemeinsam durch, wie sich das bei uns abbilden lässt. Genau darin liegt der Unterschied zu klassischen Systemen: Was früher ein Change Request mit Monaten Vorlauf war, ist heute eine Frage von Tagen.
Was ist aktuell das spannendste Thema in eurem fachlichen Umfeld?
Datenhoheit. Fast jedes Unternehmen, mit dem wir reden, will KI einsetzen und darf gleichzeitig seine Daten nicht in eine amerikanische Cloud schieben. Diese beiden Anforderungen galten lange als unvereinbar. Sind sie nicht mehr, und dass sich das gerade auflöst, verändert für europäische Unternehmen sehr viel.
Welchen Trend im Bereich Customer Relationship / CRM / Marketing & Sales Automation siehst du für die nächsten Jahre als besonders relevant?
Dass die Trennung zwischen CRM, ERP und Warenwirtschaft verschwindet. Diese Grenzen sind historisch gewachsen, nicht fachlich begründet. Ein Kunde interessiert sich nicht dafür, in welchem System seine Reklamation liegt. Und eine KI kann nur dann sinnvoll unterstützen, wenn sie den ganzen Vorgang sieht statt eines Ausschnitts. Der Vorteil liegt künftig weniger in der einzelnen Funktion als darin, dass alles auf einer Datenbasis steht.
Was ist der größte Fehler, den Unternehmen im Umgang mit ihren Kund:innen machen?
Sie automatisieren die Kommunikation, bevor sie die Prozesse dahinter im Griff haben. Dann kommt die perfekt getimte Kampagnenmail bei jemandem an, dessen Reklamation seit drei Wochen offen ist. Automatisierung macht bestehende Schwächen sichtbarer, nicht kleiner.
Was war für dich persönlich der größte Aha-Moment in deiner beruflichen Laufbahn im Bereich Customer Relationship?
Wir haben in einem Projekt monatelang exakt das gebaut, was im Lastenheft stand, sauber abgenommen, sauber dokumentiert. Beim ersten echten Testlauf hat eine Mitarbeiterin aus dem Innendienst nach zwei Minuten gesagt: So arbeitet hier niemand. Sie hatte recht. Der dokumentierte Prozess existierte nur auf dem Papier, im Alltag lief seit Jahren ein anderer, und zwar aus sehr guten Gründen, die nie jemand aufgeschrieben hatte. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass das eigentliche Wissen eines Unternehmens nicht in seinen Prozessdokumenten steckt, sondern in den Köpfen der Leute, die den Betrieb jeden Tag am Laufen halten. Seitdem beginnt bei uns kein Projekt mehr mit einem Lastenheft, sondern damit, dass wir uns danebensetzen und zuschauen.
Welchen Tipp würdest du Teilnehmer:innen mit auf den Weg geben, die dein Thema in die eigene Praxis übersetzen möchten?
Klein anfangen, aber an der richtigen Stelle. Nimm den einen Prozess, über den sich intern alle beschweren, und löse ihn vollständig, statt zehn Prozesse halb zu digitalisieren. Wenn der erste sauber läuft, kommen die Leute von selbst mit dem nächsten. Und such dir jemanden im Haus, der die Prozesse wirklich kennt, nicht den, der die schönste Präsentation macht.





