„Marketing und Legal sind Freunde“ – Michael Röhsner im Interview

Michael Röhsner (Eversheds Sutherland) über KI im CRM, DSGVO, AI Act und den größten rechtlichen Fehler im Umgang mit Kundendaten.

Mag. Michael Röhsner, LLM. ist Rechtsanwalt und Partner bei Eversheds Sutherland, einer international tätigen Wirtschaftskanzlei, die Unternehmen unter anderem in den Bereichen Datenschutz, Cybersecurity und Technologie berät. Beim Customer Relationship Summit 2026 zeigt er anhand realer CRM-KI-Szenarien, was rechtlich erlaubt ist und worauf Unternehmen beim Einsatz von KI im Marketing achten sollten.

Die wichtigsten Take-aways

  1. Möglich ist nicht gleich erlaubt:
    • In der Praxis wird oft nur gefragt, was mit KI möglich ist – die Frage, ob es auch erlaubt ist, bleibt dabei häufig auf der Strecke.
  2. KI im CRM ist kein rechtsfreier Raum:
    • Entscheidend ist, die rechtlichen Fragen früh zu stellen – nicht erst, wenn die Kampagne schon live ist.
  3. Von automatisiertem zu autonomem Marketing:
    • KI wird zunehmend selbst entscheiden, welcher Kunde wann welchen Content bekommt – damit wird auch die Frage der Verantwortung wichtiger.
  4. Der größte Fehler von Unternehmen:
    • Der Trugschluss „Unser Tool kann das, also dürfen wir es auch“ – am Ende haftet das Unternehmen selbst, nicht der Tool-Anbieter.
  5. Persönlicher Aha-Moment:
    • Manche Tool-Anbieter bewegen sich auf dünnem Eis und schieben die Verantwortung auf die Nutzer:innen ab – genaues Hinschauen lohnt sich.
  6. Praktischer Rat:
    • Zuerst klären, was man mit KI erreichen will, welche Daten dafür nötig sind und warum man sie verwenden darf und Legal von Anfang an einbinden, nicht erst am Ende.

Zum Interview

Worum wird es in deinem Vortrag gehen? Kannst du den Inhalt grob umreißen?

Ich werde verschiedene CRM-KI-Szenarien aufzeigen, mit denen CRM- und Marketing-Manager in der Praxis tatsächlich konfrontiert sind. Mit KI sind plötzlich ganz viele spannende neue Dinge möglich. In der Praxis sehen wir aber, dass oft nur die Frage gestellt wird, was möglich ist. Dabei wird vergessen zu fragen, ob es auch erlaubt ist. Anhand praktischer Beispiele werde ich die relevanten rechtlichen Spielregeln – von DSGVO über AI Act bis zu den Regeln für elektronische Kommunikation – erklären und zeigen, worauf Unternehmen bei der Umsetzung achten sollten.

Dabei geht es mir nicht darum, KI im Marketing als rechtliches Hindernis zu betrachten. Im Gegenteil: KI bietet enorme Chancen für CRM und Marketing – man muss nur die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen. Denn auch im Zeitalter der KI braucht die Verarbeitung von Kundendaten eine Rechtsgrundlage und müssen Kunden grundsätzlich nachvollziehen können, was mit ihren Daten passiert.

Viele rechtliche Fehler lassen sich einfach vermeiden – wir wollen also verhindern, dass wegen vermeidbarer Fehler Strafen ausgesprochen werden oder gar die ganze Kundendatenbank gelöscht werden muss.

Warum machst du beim Customer Relationship Summit mit?

Als langjähriger Kooperationspartner des DMVÖ ist es für mich jedes Mal eine große Ehre, bei diesem Summit dabei zu sein und die rechtliche Perspektive einzubringen.

Außerdem profitiere ich sehr vom Austausch mit den Expert:innen aus Marketing/CRM – gerade bei der rasanten digitalen Entwicklung müssen auch wir als Rechtsanwälte immer am Ball bleiben. Ich freue mich schon auf den Austausch!

Worauf können sich die Teilnehmer:innen bei deinem Vortrag freuen?

Auf praktische Cases, konkrete rechtliche Antworten und hoffentlich auch auf den einen oder anderen Lacher.

Ich möchte komplexe rechtliche Themen verständlich und praxisnah vermitteln, denn wie ich immer predige: Marketing und Legal sind Freunde. Manchmal brauchen sie nur etwas Vermittlung.

Wenn du einen Punkt hervorheben könntest, der in deinem Vortrag besonders wichtig ist — welcher wäre das?

KI im CRM ist kein rechtsfreier Raum. Entscheidend ist, die rechtlichen Fragen früh zu stellen und nicht erst, wenn die Kampagne schon live ist.

Was ist aktuell das spannendste Thema in deinem fachlichen Umfeld?

Ganz klar: Generative KI und die Frage, wie wir sie sinnvoll nutzen können, ohne Datenschutz, Urheberrecht und andere rechtliche Grenzen zu überfahren.

Welchen Trend im Bereich Customer Relationship / CRM / Marketing & Sales Automation siehst du für die nächsten Jahre als besonders relevant?

Ich glaube, wir gehen von „automatisiertem Marketing“ zu „autonomerem Marketing“. KI wird zunehmend selbst entscheiden, welcher Kunde wann welchen Content oder welches Angebot bekommt. Damit wird aber auch die Frage wichtiger: Wer trägt die Verantwortung, wenn die Maschine entscheidet? Und die richtige und rechtskonforme Kampagnenplanung wird immer wichtiger – denn Fehler sind dann in der täglichen Umsetzung kaum mehr sichtbar.

Was ist der größte Fehler, den Unternehmen im Umgang mit ihren Kund:innen machen?

Zu glauben: „Unser Tool kann das – also dürfen wir es auch“.
Nur, weil mein Tool etwas kann und vielleicht sogar damit wirbt, heißt das noch lange nicht, dass ich das alles auch darf. Am Ende bin ich selbst in der Haftung, der Tool-Anbieter meist nicht.

Was war für dich persönlich der größte Aha-Moment in deiner beruflichen Laufbahn im Bereich Customer Relationship?

Mich überrascht immer wieder, auf wie dünnem Eis sich manche Tool-Anbieter bewegen, die Verantwortung aber auf den Verwender abschieben. Hier zeigt sich: Genau hinschauen lohnt sich! Weiß ich, was mein Tool eigentlich macht?

Welchen Tipp würdest du Teilnehmer:innen mit auf den Weg geben, die dein Thema in die eigene Praxis übersetzen möchten?

Zuerst klären: Was wollen wir mit KI erreichen, welche Daten brauchen wir dafür – und warum dürfen wir sie verwenden?

Wenn Marketing, IT und Recht diese Fragen gemeinsam beantworten, ist schon viel gewonnen.

Und mein persönlicher Tipp: Legal nicht erst einladen, wenn die Kampagne fertig ist. Das Leben aller Beteiligten wird leichter, wenn wir von Anfang an mitgestalten dürfen.

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